Spannung, Spaß und Spitzensport

Trial-Meisterschaft der Superlative beim MSC Frickenhausen

 

Frickenhausen, „Alte Ziegelei“, elf Uhr: Fahrtleiter Patrick Tamm beendet seine Fahrerbesprechung mit den wichtigsten Reglements gegenüber dem Fahrerfeld. Kurz darauf surren die Motoren von zig Geländemaschinen: an beiden Tagen waren es über 100 an der Zahl. Die Fahrerinnen und Fahrer begeben sich samt Trainern und Unterstützern zu ihrer ersten von insgesamt zwölf Wertungsprüfungen, Sektionen genannt. Eine unter all diesen Teilnehmern ist Lokalmatadorin Sofie Wolfer. Ihr Helm sitzt, die Notaus-Reißleine umschließt das linke Handgelenk, die Hände sind am Lenker, die Füße auf den Fußrasten. Alles ist bereit. Die 18-Jährige konzentriert sich auf die Streckenführung, die oftmals sehr knifflig ist. Sie beobachtet ihren Vorgänger, steht dabei nach wie vor auf den Fußrasten und balanciert ihr Motorrad aus. Nun ist es so weit: Der vorherige Fahrer verlässt die Sektion. Der Punktrichter nickt ihr zu und betätigt die Stoppuhr, da eine festgelegte Zeit nicht überschritten werden darf. Ein leichter Gasstoß und das Motorrad steuert auf ein Feld aus Felsbrocken zu, das in höchster Konzentration anvisiert wird. Selbstverständlich möchte die junge Fahrerin keinen Fehler machen – genausowenig wie der geschulte Punktrichter, dessen strenger Blick nicht von ihr weicht. Jeder einzelne Fehler bedeutet einen Punktabzug, den der sogenannte „Knipser“ nach der Sektionsdurchfahrt mit einer Lochzange auf der Punktekarte vermerkt. Je weniger Strafpunkte, desto näher rückt eine gute Platzierung, oder sogar ein Platz auf dem Siegertreppchen. Abzug gibt es beispielsweise, wenn ein Fuß, oder gar der Lenker den Boden berührt, das Motorrad rückwärts rollt, der Motor ausgeht, oder das Absperrband überfahren wird, was bei den teils extrem eng gesteckten Sektionen schnell einmal geschehen kann. An einigen Stellen müssen die Trialfahrer sogar direkt nach dem Hindernis abrupt abbremsen und ihre Maschine durch Hüpfen auf der Stelle in Richtung des nächsten Bollwerks drehen.
Zurück zu Sofie: Die Felsen wurden passiert, wonach es einen steilen, unwegsamen, teils etwas rutschigen Hang hinauf geht, auf dem sehr enge Wendungen gefahren werden müssen. All dies verlangt ihr Konzentration, Kraft, Ausdauer, Balancegefühl, Körperbeherrschung und nicht zuletzt Mut ab. Die Motorsportlerin zeigt eine gute Mischung aus alledem und beendet die Wertungsprüfung ohne jeglichen Punktabzug, wobei dies nicht ihre einzige fehlerfreie Runde sein wird.
Auch die nächste Teilprüfung bietet schwindelerregende Hindernisse und hat ihre ganz eigenen Tücken: Felsabsätze, Betonröhren und Traktorreifen ragen empor. Dass man diese mit einem Motorrad zu überwinden vermag, bringt so manchen Besucher zum Staunen. Der Fahrtleiter würde dagegensetzen, dass es sich schließlich um die baden-württembergische Jugend-Trialmeisterschaft handelt, die hohe Ansprüche an die Motorradfahrer stellt. Dies sind im Übrigen Kinder, Jugendliche, sowie junggebliebene Erwachsene – ein buntes Teilnehmerfeld also, bei dem einige Mädchen und Frauen mitmischen. Sofies Schwester Marie, 24 Jahre alt, nimmt übrigens ebenfalls an diesem anspruchsvollen Wettbewerb teil. Beide betreiben den Trialsport seit sieben Jahren und messen sich gerne mit anderen. Obwohl diese Sportart spektakuläre Akrobatik zeigt, passieren dennoch in der Regel sehr wenige Unfälle. Die Rettungssanitäter des Deutschen Roten Kreuzes hatte an jenem Wochenende lediglich zwei kleine Schürfwunden zu vermelden.
Nachdem in vier Runden jeweils sechs verschiedene Sektionen bewältigt wurden, hat es Sofie geschafft. Die herausragende Leistung in der Jugendklasse wurde am Samstag mit dem ersten, am Sonntag mit dem dritten Platz belohnt. Ihre Schwester belegte souverän Rang drei und zwei in einer der Erwachsenenklassen. Viele weitere Fahrer des gastgebenden Vereins erzielten ebenfalls nennenswerte Platzierungen, selbstverständlich auch die der auswärtigen Motorsportclubs: Amtzell, Baden-Baden, Biberach, Köngen-Wendlingen, Marbach, Ölbronn, Saar, Salach, Schatthausen, Schorndorf, Sulz am Eck, sowie Weil der Stadt waren erfolgreich vertreten.
Patrick Tamm, der seit 13 Jahren seines Amtes als Fahrtleiter waltet, zeigt sich zufrieden  mit dem Verlauf der Meisterschaft. Er erklärt, es sei jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, die jeweiligen Niveaustufen in abwechslungsreichen Sektionen unterzubekommen, die weder zu schwer noch zu leicht sind. Und auch das Wetter spiele dabei eine große Rolle, über das man sich an jenem Wochenende jedoch kaum beschweren konnte. Auch der kulinarische Aspekt kam nicht zu kurz: Teilnehmer wie auch Besucher wurden rundum versorgt – eine gelungene Veranstaltung also, die keine Wünsche offen ließ.

 

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